06.12.2007

Consumating - ein Phänomen der Interaktivierungstendenz

Jedoch ist am Beispiel von Consumating offensichtlich, dass diese Prognose bereits 15 Jahre früher eingetroffen ist. Das 2002 von Ben Brown und Adam Mathes gegründete soziale Netzwerk ist eine eine reale Umsetzung der Interaktivierungstendenz. Diese soziale Software verwendet Begriffe, Wettbewerbe, Fotos und Texte, damit Nutzer miteinander interagieren können, um Menschen ausfindig zu machen, die nicht dauerhaft langweilig sind. Hierdurch entsteht ein soziales Netzwerk gleich gesinnter Menschen, die sich über sogenannte Tags austauschen können. Neben inhaltlichen Beschreibungen der Menschen spielt auch die Soziodemographie der Nutzer eine Rolle. Obwohl es technisch sehr einfach ist, eine unbeschränkte Zahl an Kommunikationsakten durchzuführen und zu archivieren, wachsen die menschlichen Möglichkeiten, diese zu verarbeiten und sinnvoll zu integrieren nicht im gleichen Maße an - dem zollt Consumating mit dem Limit auf 10 aktive Botschaften pro Monat Rechnung. Ein wichtiges Element ist die gegenseite Bewertung der Nutzer über einfache Funktionen, wobei positive Reaktionen doppelt so stark gewertet werden wie negative Angaben. Danach werden die Menschen nach ihrer öffentlichen Popularität gerangreiht, so dass der Nutzer jederzeit einen Überblick hat, wie stark das Selbstbild vom Fremdbild abweicht. Consumating ist damit ein interaktivierter Dienst, der alle vier Funktionen der Medien abbilden kann: Information, Unterhaltung, Identitätsstiftung sowie soziale Interaktion und Integration. Consumating ist konsequent als intelligent Design Projekt angelegt, im Gegensatz zum Ansatz der blinden Evolution. Consumating sieht sich als real gewordener postmoderner Anspruch: denn es gibt hier keine keine übergeordnete Sprache mehr, deren Wahrheiten allgemein verbindlichen - normativen - Charakter haben, sondern ein in sich widersprüchliches System von Legitimationen. Die wesentlichen Werte der Moderne finden ihren Ausdruck in Beziehungen und wie sie in Consumating abgebildet werden: die Rationalität ergibt sich aus dem transparenten Bewertungssystem, das für jeden offen ist. Die Maxim sittlichen Handelns wird durch die Selbstregulierung sicher gestellt - jeweils situativ justiert, nicht an absoluten Maßstäben gemessen. Und das Streben nach stabilen Gerechtigkeiten zeigt sich im täglichen Wandel der Bewertungen, auf die jeder Einfluss hat, aktiv wie passiv. Diese Selbstregulierung der Gemeinschaft ist ein Beleg für die aktive Gesellschaft, die im Rahmen der Postmoderne von Prof. Welsch postuliert und von Prof. Schulze empirisch belegt werden konnte. Consumating unterstützt folglich auch die direkte soziale Interaktion und Integration der Nutzer im realen Leben, indem Mitgliedertreffen organisiert werden, für die sich der Begriff ConsuMeeting etabliert hat. Durch geografisches Tagging und öffentliches Werben für diese Meetings haben sie sich in vielen Großstädten als Party etablieren können. Neben den bekannten sozialen Milieus, unter anderem nach Sinus, etablieren sich durch Consumating neue virtuelle Milieus, die sich ebenso durch erhöhte Binnenkommunikation darstellen lassen, ohne jedoch wie bei den klassischen Milieus einen Wert darin zu sehen, sich gegenüber anderen Gruppen abzugrenzen. Die Fortentwicklung und vor allem inhaltliche Öffnung stellt help.com dar.