21.12.2007

Interaktivierungsverlierer

Der etwas andere Jahresrückblick an der Blogbar fasst gut zusammen: "FTD, Süddeutscher und WAZ ist eines gemein: Alle drei haben ihre eigenen Blog- und Internetprojekte mit lautem Getöse selbst gegen die Wand gefahren. [...] Die FTD ist wirtschaftlich am Ende, die Süddeutsche wird wie eine nicht mehr ganz frische Schweinehälfte verkauft, und die WAZ hat gemessen an den Ankündigungen mit derwesten.de die Onlinepleite des Jahres hingelegt." Und nun kommen die öffentlich-rechtlichen Sender und können neben ihren bekannten Broadcast-Stärken wie Bewegtbild und Audio auch noch ganz nebenbei das Thema Texte erschlagen, ohne auf die Refinanzierung schauen zu müssen.

Texte und die Recherche dahinter sind teuer: Kompetenz, Hingabe, Kontakte, Spesen müssen aufgewandt werden, um das Qualitätsniveau zu erreichen, damit sich die werberelevante Zielgruppe auch die Zeit und Aufmerksamkeit dafür nimmt. Und es gibt kein Naturgesetz, das besagt, dass die Kosten durch Werbung und Vertrieb wieder reinkommen. Wer sich einmal auf die Interaktivierung eingelassen hat, z. Bsp. durch Leserkommentare, kann kaum noch zurück, ohne massiv unter öffentlichen Druck zu geraten.

Damit ist jeder Medienwandel eine Bedrohung der Geschäftsmodelle. Dies errkannt und auch entsprechend gehandelt haben:

Holtzbrinck: "Das Internet ist dabei, die Medienwelt radikal zu verändern. Neue Formen der Wertschöpfung, neue Unternehmensmodelle und neue Kundenbeziehungen entstehen. Zusätzlich zu Buch, Zeitschrift und Zeitung entstehen neue Trägerformen, um Inhalte elektronisch zu transportieren und zu vermitteln."

Axel Springer: "Axel Springer - the German multimedia stock – best positioned for monetization of media convergence"

Hubert Burda: "DLD als Europas führende Konferenz für die Themen des 21. Jahrhunderts setzt sich mit Digitalen Innovationen auseinander, befasst sich mit Kunst- und Design-Aspekten und widmet sich interdisziplinären Wissenschaftsthemen."

Bertelsmann: "The Spirit to Create"

Glaubenssache - die Seite für Menschen, die glauben

(Liste wird fortgesetzt).

20.12.2007

Zukunft der Medien (in Suchmaschinen)

Was Google so findet (Auswahl):

ZukunftderMedien als eigener Blog von Timelabs mit den Autoren Issac van Deelen und Daniel Tschentscher. Kosmar von Markus Angermeier beschäftigt sich auch damit, die Uni Oldenburg hat bereits im Jahr 2000 eine hervorragende Linksammlung zu Ihrer Zukunftsstudie erstellt. Das Zukunftsinstitut sieht vor allem den Megatrend der Individualisierung und die Faktenmacher bloggen über die Zukunft lieber selber. In der Readers Edition wird über die Medienzukunft eher politisch diskutiert, eine gute Ergänzung sind die politischen Studien der Hanns Seidel Stiftung. Mratzek sieht die Zukunft des Gedruckten eher im Internet und die Uni in Mainz verknüpft Medien in der Zukunft gleich mit einem allgemeinen Kulturbegriff. Die Zeit hat sich vor fast zehn Jahren gegen die Verschmelzung der Medien ausgesprochen, das sieht Hubert Burda in seinem Blog natürlich inzwischen ganz anders. Silicon findet die Medien der Zukunft: Soziale Netze, Gruban erkennt Googlezon als Perspektive und das Fraunhofer Institut vernetzt Schule, neue Medien und Blogs zu einem Szenario. Journalistinnen haben natürlich eine besondere Sichtweise, in der Schweiz sieht man darin das Web 2.0 oder andere Zukunftssezenarien.

Damit sollte das "Konzept" klarer sein.

What really matters

Most searched on Meta Search engine Search.com in 2007:

Politics: Iran, Bush, Korea, Italy, Velvet Revolution, China, India, Iraq, Global Warming, Immigration, Obama

Media: Nintendo wii, Myspace

KNOL und Suchmaschinen

Treffer bei Google zu KNOL:
http://www.google.com/help/knol_screenshot.html
http://groups.google.com/group/alt.philosophy/
http://groups.google.com/group/net-gold/
http://groups.google.com/group/sci.lang/
http://groups.google.com/group/alt.philosophy/msg/64bc1462e60d6666

Treffer bei Yahoo zu KNOL:
http://news.yahoo.com/s/nf/20071217/tc_nf/57269
http://news.yahoo.com/s/nf/20071214/tc_nf/57252
http://sg.answers.yahoo.com/question/index%3fqid=20071217062606AAT7lDu
http://uk.answers.yahoo.com/question/index%3fqid=20071216171923AAtXIon
http://au.answers.yahoo.com/question/index%3fqid=20071216171923AAtXIon
http://uk.news.yahoo.com/pocketli/20071214/ttc-google-announces-wikipedia-rivaling-57dbc65_2.html
http://answers.yahoo.com/question/index%3fqid=20071216171923AAtXIon

Treffer bei Live.com zu KNOL:
http://virtuallyjamaica.spaces.live.com/blog/cns!875771F128EB2C38!1361.entry
http://leimingma.spaces.live.com/blog/cns!BC0F494D87E99EE3!1056.entry
http://chillerbaggins.spaces.live.com/blog/cns!3C49A77ED3696D83!658.entry
http://shivachaitanya.spaces.live.com/blog/cns!16AC03C77F5E23A8!143.entry
http://hiddenweed.spaces.live.com/blog/cns!AF762887AFB55F4F!144.entry
http://reyeszjj.spaces.live.com/blog/cns!70452FEBDFBD4DAA!899.entry
http://virtuallyjamaica.spaces.live.com/

Keine Treffer bei ASK.com

Keine relevanten Treffer bei Search.com

19.12.2007

KNOL in deutschen Medien

Die Computerwoche sieht in KNOL eine Revanche an der Wikipedia, sowie eine Konkurrenz für Wikihow, Productwiki und Lifehacker und zitiert eine französische "Studie". Die CoWo kolportiert auch das weit gestreute Gerücht, dass Google den Answers-Dienst wegen Erfolglosikgeit eingestellt hätte und auch, dass Google bei Community orientierten Diensten "keine gute Figur macht". Marissa Mayer klärte hingegen via Google Operating System auf, was hinter solchen Projekten eigentlich steckt: kein eigenständiges Businessmodell, sondern die Möglichkeit der Datensammlung, um die eigenentwickelte AI / Künstliche Intelligenz trainieren zu können.

Die TAZ hat allerdings das "bevorzugte" Ranking der Wikipedia gut verstanden, sieht jedoch auch nicht den größeren Kontext wie die Fortentwicklung von Google Base, Google Page Creator, Google Reader, Orkut, Picasa, Docs, Groups, Blogger etc. zu einem mehr integrierten und v.a. monetisierbaren Produkt mit der Jotspot-Technologie. Die KNOLe geben dann eine Struktur vor, sowie Reichweite, transparente Beteiligung weiterer Nutzer und auch eine gewisse Refinanzierung.

Das Handelsblatt fasst die Hintergründe zu KNOL zusammen und sieht auch die indirekten wirtschaftlichen Implikationen für Wikipedia: wenn 2/3 des Traffics in Zukunft fehlen wird es schwieriger, neue Autoren und vor allem Spender zu finden. Alleine die Ankündigung einer Wikipedia-Konkurrenz dürfte bei vielen unzufriedenen Autoren einen Umdenkprozess auslösen. Bisher war die Wikipedia die einzige Möglichkeit, ein bisher nicht öffentlich abgedecktes Thema zu behandeln. Dafür musste man die Diskussionen mit z. T. anonymen halbgebildeten Artikeloptimierern in Kauf nehmen. KNOLe könnten hier Fachautoren eine Heimat bieten, in der sie sich wohler fühlen, weil alle Beteiligten namentlich bekannt sind und nicht aus der Tarnung heraus redigieren können.

Das angebliche Scheitern Googles mit Google Mail und Orkut wird nicht mit einer Quellenangabe belegt oder worin das Scheitern eigentlich liegen soll. Google Mail ist Teil der Google Applications for your Domain (Google Apps) und wird in sehr vielen großen Unternehmen und Universitäten genutzt. Diese Nutzer sind für die klassischen Panels nicht so transparent wie reine Privatnutzer (die Yahoo & AOL & MSN/LIVE/Hotmail bevorzugen). Orkut war ein Privatprojekt eines Google Mitarbeiters und dient heute in der Hauptsache als Testfeld für neue Community getriebene Features, die dann sukzessive auch in anderen Google Produkten auftauchen. Auch das Handelsblatt sieht nicht den größeren Hintergrund, der in Jotspot liegt.

Den drei Zeitungen gemeinsam ist, dass sie die eigenen Fehlinterpretationen von neu gestarteten Google Projekten hinterher dem Unternehmen zur Last legen, das die Projekte mit einer ganz anderen Intention gestartet hat, statt die eigene Berichterstattung zu korrigieren. Wer KNOL als Anti-Wikipedia bezeichnet, liegt falsch, so wie er falsch lag mit Orkut als Anti-Myspace / Facebook, Google Mail als Anti-Yahoo-Mail etc.

KNOL ist - wie viele andere Google-Projekte - nur in einem Punkt "Anti": es führt eine neue Sicht der Dinge und damit Mitbewerb ein, wo vorher Tradition und Monopole herrschten. Daraufhin verändern sich die Mitbewerber schneller als wenn es diesen neuen Mitbewerber nicht gegeben hätte.

Die Notwendigkeit, ihre althergebrachten Geschäftsmodelle zu verändern, erläutert Viola Schenz: "Dieses Jahr werden die Deutschen erstmals mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher verbracht haben. [...] Kein Verleger weiß, wie sich dieser Markt und die Kosten dafür wirklich entwickeln, bisher ist alles munteres Spekulieren. Burda [...] betreibt Tier-Plattformen wie Hallohund.de oder ein Reisebüro, Holtzbrinck [...] Web-Gemeinden wie StudiVZ, Videoseiten wie Watchberlin oder Rubrikmärkte wie trauer.de. Stern.de treibt mit Shortlist, Tausendreporter.de oder Augenzeuge.de seine Community-Aktivitäten voran. Auf solchen Seiten besteht Hoffnung auf Rentabilität."

Fritz vermisst bei KNOL die demokratischen Abstimmungsprozesse und John Worth sieht die Kommerzialisierung durch KNOL als auch die Kompetenz der Autoren in einem kritischen Licht.

17.12.2007

Interaktivierung - Zahlen, Daten, Fakten

Findarticles.com findet 136.756 Artikel zu interaktiven Themen aus Zeitungen, Zeitschriften, Fachmagazinen und anderen Quellen, die bis ins Jahr 1984 zurückreichen. Davon sind weit mehr als die Hälfte kostenlos. Unser deutsches Online-Leitmedium kooperiert mit einer anderen Bertelsmanntochter und bringt nebst Wikipedia so ziemlich alle deutschprachigen Informationsquellen unter Spiegel-Wissen auf den Markt. Es wird nicht lange dauern und die eher fakten-fokussierten Südostdeutschen werden sich mit den frakturlosen Rheinländern zu einer letzten Gegenoffensive formieren. Man kann natürlich auch wie bisher das Online-Archiv der gedruckten Tageszeitung online nutzen, um komplett am Mac eine Wochenzeitschrift zu produzieren, die online in eine Druckerei übertragen, dort gedruckt und dann per Lastkraftwagen durch die ganze Republik gekarrt wird, damit ein Leser dann die doch schon etwas sehr abgehangenen "News to use" offline konsumieren kann. Oder man schaltet die Archive einfach zusammen, garniert sie mit einer echten Online-Redaktion und spart sich den ganzen logistischen Ärger, die Umweltverschmutzung und die Entsorgung der Remittenten. Das etwas umständliche "Aus einem Online-Archiv in eine andere digitale Form gießen und dann drucken etc." verstehen in den letzten Jahren medial-sozialisierte Menschen nur noch, wenn sie sich intellektuell sehr anstrengen. Die Altvorderen murmeln auf entsprechende Fragen immer noch etwas von "Crossmedia", "Konvergenz", "was zum Anfassen", "Print lebt" und bestärken sich gegenseitig auf entsprechenden Kongressen und anderen Vereinsfesten, dass sie noch Zeit haben, sich anzupassen

Die wichtigsten Quellen in Findarticles.com nach Themen-Gebieten:

Business

Business Wire
Black Enterprise
Real Estate Weekly
Los Angeles Business Journal
Communication World

News

Journal of Economic Issues
Chicago Sun-Times
M2 Presswire
Daily Herald (Arlington ...
Oakland Tribune

Autos

Autoparts Report
Automotive Industries
Automotive Design & ...
Automotive Finishing
Motor

Reference

Encyclopedia of Business, ...
International Directory of ...
Georgetown Law Journal
Reference & Research ...
Library Trends

Sports

Golf Digest
Shooting Industry
Coach and Athletic Director
Wrestling Digest
Sporting

Arts

Art Business News
Billboard
Interview
Computer Gaming World
W

Technology

PC Magazine
Ziff Davis CIO Insight
Baseline
Software Magazine
Mobile Internet, The

Health

Healthcare Financial ...
Encyclopedia of Medicine
Dynamic Chiropractic
Townsend Letter for ...
Nutrition Action Healthletter

Home & Garden

Southern Living
Family Economics and ...
Flower & Garden Magazine
Green Guide, The
Home Accents Today

Die wichtigsten Einzelartikel sind:

Culture, leadership, and power: the keys to ...
Skip-level meetings can ease restructuring - includes ...
Weighing NAFTA - pros and cons of trade agreement - ...
The legends of Bretton Woods - monetary system - ...
EDITORIAL - Criticism of World Trade Organization, ...
Basic wheel alignment
Toward the plug-and-play car: AUTOSAR promises to give ...
2007 utility vehicle buyer's guide: Side-By-Sides are ...
The importance of understanding organizational culture
Credit card debt on college campuses: causes, ...
Child labor: the real solution - 2003 essay contest ...
Wrestling's Biggest Scandals
"Tommy John" surgery: a career-saving ...
A fare share: a different approach to boat buying
How to survive on nothing: No money? No problem! Find ...
Heritage and deracination in Walker's "Everyday Use." ...
Historic plantations of the old South: stately homes ...
Sound Solutions - soundproofing solutions for home ...
Ultrasonic humidification is ultra-efficient
Understanding C# Class and Member Modifiers
Wake up refreshed! Mornings don't have to be hard. Our ...
Push-up intensity: our simple-to-do push-up program ...
Cocktails and calories: Beer, wine and liquor calories ...
The gentle art of forcing bulbs - Brief Article
In pursuit of the perfect pantry - food storage tips ...
Heart-smart herbs: tonics to keep your ticker in ...

14.12.2007

KNOL

Die Blogbar fasst zusammen, dass die deutsche Wikipedia nun zwischen die Mühlsteine Bertelsmann (DER SPIEGEL & Wissen.de) und Google KNOL gerät. Pikant dabei, dass Bertelsmann weltweit wohl an jeder Rechnung verdient, die von und für Google ausgestellt wird, also zukünftig auch an KNOL. Einzig die bisher ca. 145.000 Wikipedia-Autoren, Inbetriebhalter und 4.000 Löschkandidatenverwalter gehen... leer aus.

Techcrunch hat die eigenen Leser befragt und differenziert nun den eigengen Ausblick auf das KNOL-Projekt, mal wieder unter Berücksichtigung der Ranking-Trends bei generischen Begriffen, dem Trend zum Google Operating System und anderen wichtigen Buzzwords.

Google startet KNOL und erweitert damit einmal mehr die Möglichkeiten in einem sich schnell ändernden Umfeld. Die Wikipedia, About.com, Answers.com, lexikalische Werke, Bibliotheken und auch große Special Interest Portale haben sich historisch entwickelt, manche verändern sich schrittweise in die Richtung, die nun mit KNOL konsequent eingeschlagen werden soll.

KNOL ist ein klares Projekt der Interaktivierung, deshalb soll es an dieser Stelle dokumentiert werden.

Enquiro hat zudem die Webinars zu "The Future of Search" online verfügbar gemacht. Enquiro's CEO ist sehr aktiv als Blogger mit "Out of my Gord" und vernetzt auf einzigartige Weise die wesentlichen Mitbewerber zum Thema Search: Marissa Mayer, Larry Cornett, Justin Osmer und Daniel Read.

Bei "Search" geht es natürlich um mehr als nur Suchmaschinen, es geht um Inhalte, deren Vernetzung, deren Darstellung, die Refinanzierung. Wenn immer mehr Inhalte verfügbar werden, in der Breite, Tiefe und in der Zeitdimension, werden Suchmaschinen umso wichtiger, weil sie das Bild der "Welt" prägen und damit politisch relevant sind.

KNOLe werden ein wesentliches Element dieser neuen "Welt" sein, so wie die Blogbar, Basicthinking, OutofmyGord und Techcrunch für ihre jeweiligen Themen. Durch die vom Autor unabhängige Werbevermarktung ist auch die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen gewährleistet - es wird sicher auch möglich sein, wie heute schon für Premium-Publisher, via Ad Review Center einzelne Kampagnen oder Kunden nicht zu erlauben.

Google Operating System erkennt, dass die Autoren-Identifizierung wesentlich ist für das KNOL-Projekt.

Die Welt sieht einen Angriff auf Wikipedia. ZDNet differenziert zwischen Knowledge Management und Wikipedia-Killer. In Deutschland muss man (noch) auf KNOL warten, das Porschekiller für einen Wikipedia-Klon für Arme hält und Basic eher zwiespältig zurück lässt (die meiner Ansicht nach sinnvollste Einstellung, weil das Produkt ja noch nicht mal beta getestet werden kann.) Heise berichtet gewohnt neutral und Telepolis äussert ein generelles Unbehagen in weit mehr Worten. Ob es mit der "Weisheit der Massen" in der Wikipedia insgesamt so weit her ist, wird nicht belegt.

KNOL wird unser Bild der Welt deutlich verändern, auch unser Bild von Marken, die Welt in die wir sie einordnen werden.

13.12.2007

Verschiebung der Zeitungsleserschaft zum Netz hin

Via Basic.

Die Zeitreihenanalyse bestätigt die Ergebnisse der "Potenziale für Online-Dienste" aus dem Jahr 1996 (Erhebung der Daten war v.a. 1995). Damals wurde bereits die Frage an Online-Nutzer gestellt (es gab davon 500.000 in Deutschland), was sich denn in ihrem Medien-Verhalten / Freizeit-Verhalten geändert hat, seitdem sie das Internet nutzen. Den klassischen Medienkonsum hatten vor allem die Leser von Nachrichtenmagazinen und Zeitungen eingeschränkt.

Nachdem diese Frage einige Jahre in einer Studie enthalten war, "verschwand" sie Ende der Neunziger Jahre, gerade rechtzeitig, um dem Mythos "Crossmedia" Platz zu machen, der schließlich noch um eine angebliche "Konvergenz" ergänzt wurde. In dieser Zeit war geplagten Verlegern alles recht, nur den Glauben an Engel zu propagieren, trauten sich nicht, das hätte dann doch zuviele agnostische Randleser verschreckt.

Die Zeitreihenanalyse belegt, "dass Nutzer, die zunächst Nachrichten aus beiden Medien konsumieren, sich zunehmend für eine Richtung, nämlich Online, entscheiden."

Für den demographischen Wandel spricht auch, "die Intensivnutzer von Nachrichtensites stammen überwiegend aus der Altersgruppe um 38 Jahre (im hier gewählten Intervallzuschnitt bei den 35- bis 44-Jährigen), die der intensiven Printleser liegen überwiegend darüber mit dem stärksten Beitrag aus dem Segment der 55- bis 64-Jährigen."

Man könnte auch so formulieren: Menschen mitten im Leben bevorzugen das Internet als Nachrichtenquelle, Menschen in der letzten Phase der Berufstätigkeit bzw. im Ruhestand nutzen (noch) intensiv Print. Diese "Generation" ist allerdings für viele Branchen immer noch sehr attraktiv, da sie zugleich die "Generation der Erben" ist und ja noch ca. 20-25 hinreichend aktive Lebensjahre vor sich hat.

Die mitunter fest zu stellende Panik der Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser, Buchverlage und Händler ist also nicht rational zu erklären, sondern wohl eher ihrem mangelnden Einblick in derartige Studien und Zusammenhänge geschuldet. Lediglich der verhinderte Briefpostler aus Hamburg ahnt wohl, auch öffentlich, dass es für die Zeitungen keinen Sinn macht, vor lauter Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen.

Inzwischen gibt es erste Anzeichen aus den USA, dass neue Zeitschriften und andere Printmedien entstehen, die sich gerade auf den Vertrieb über das Internet ausrichten, statt gegen das Internet zu kämpfen. Es versteht sich fast von selbst, dass die Initiatoren dieser Produkte nicht aus den etablierten Großverlagen stammen, die immer mehr Zusatzprodukte verkaufen wollen, statt sich auf ihre Medienkompetenz zu konzentrieren, deren Besitz sie immer noch nicht müde werden vorzugeben.

Die aktuell am erfolgreichsten im Internet publizierenden Unternehmen sind alle drei keine traditionellen Medienkonzerne, es sind in loser Folge eine Softwareschmiede, ein Unterhaltungskonglomerat und ein Software-as-a-Service-Provider, rasant verfolgt von zwei Logistik- und Plattformbetreibern, diversen Internetverkupplungssystemen und einem Service zur kostenlosen Verbreitung von Inhalten, welcher der wahre Alptraum aller Bezahlinhalteanbieter ist.

So ist es kein Wunder, dass die aktuellen Marktführer davon sprechen, dass es in 10 Jahren keinen Zeitschriften und Zeitungen mehr gibt, sondern alles elektronisch abrufbar sein wird.

Ich halte dagegen: es wird auch in 10 Jahren gutgemachte gedruckte Werke geben, jedoch weniger Ramsch, kaum noch Massenauflagen gedruckter Beliebigkeit, intellektueller Kurzatmigkeit und belangloser Mehrfachverwertung schlechtergoogleter und mit veralteten Archiven aufgehübschter Geschichtchen.

Erbfolgekrieg an der Blogbar

Eine gute Zusammenfassung, was sich geändert hat:

Im Jahr 2000 ca:

"Noch vor 5 Jahren hatten die Medien die Diskurs- und Informationshoheit. Jeder, der eine Veranstaltung machte, musste beim Fäuleton-Redakteur auf den Knien rutschen. Recherche und Datenbanken waren nur den Redaktionen zugänglich. Pressemitteilungen haben sich nicht an die Öffentlichkeit gerichtet, sondern waren so was wie Serienbriefe an Medien. Presseerwähnungen wurden wie Trophäen gesammelt."

Im Jahr 2007 ca.:

"Heute: Die Journailie und die “alten” Medien sind nur noch eine Stimme unter vielen. Aber nicht nur blogs. Auch Internetseiten von Regierungen, Parteien, Unternehmen, Organisationen, ebenso Datenbanken und ausländischen Informationsmedien (an die der interessierte Leser vor gar nicht langer Zeit nur unter Mühen und mit Zeitverzögerung rankam). "

Es fehlen noch ein paar Hinweise, zum Brain Drain von den klassischen Medien zu den neuen Unternehmen, die den Klassikern zunehmend die Erlaubnis zum Gelddrucken entziehen.

12.12.2007

Aktuelle Blog-Auslese zur Interaktivierung

Einmal im Monat: eine aktuelle Blog-Auslese zum Thema Interaktivierung. Aktuell im Sinne von: wird viel verlinkt, aktuell gesucht und ist relevant. Das Erscheinungsdatum spielt keine Rolle.

Exciting Commerce berichtet über einen Versuch, Shopping-Erlebnisse zu interaktivieren. Marketing on Tour beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, vorhandene Mediaflächen für den Mobile Channel interaktiv aufzuwerten. ITAS äussert sich ganz grundsätzlich zu den ideologischen Versatzstücken rund um Projekte der Interaktivierung. Mindmatics widmet sich einer Interaktivierung von Sendeformaten sowie mobilen Lizenzen. 12Snap steigert die Effizienz der klassischen Poster durch Interaktivierung. Dynamic Strategy zeigt in einer Fallstudie auf, wie Hotspots im Rahmen einer interaktivierten Werbeansprache eingesetzt werden können. In Linz findet eine Ausstellung statt zu "Entgrenzungen: Computerkunst - von der frühen Algorithmik zur Interaktivierung". Sat & Kabel sieht die mediale Emanzipation der Verbraucher vom Konsumenten zum Prosumenten, die Öffnung der Werbevermarktung und die Interaktivierung der Werbung. Das Cross-Media Zentrum setzt das Handy ein als Response-Kanal und ermöglicht innerhalb des Cross-Media-Mix die Interaktivierung klassischer Werbeinstrumente. Wingert bezweifelt, dass eine solche fortgeschrittene Interaktivierung eine wünschenswerte Zukunft darstellen könnte. Redaktionelles Wissensmanagement findet hingegen, dass neue Technologien und Organisationskonzepte heute die Individualisierung und Interaktivierung auch von Printmedien ermöglichen. Der Bootsektor sieht nur blindwütiges Morden und Abschlachten, wenn die legendären Alien-Filme interaktiviert werden. Just Innovative Software propagiert den konvergenten Einsatz von Medien wie die Möglichkeit der Interaktivierung von TV. IP Deutschland ist dazu in der Lage, eine Interaktivierung des TV-Spots durch eine mobile Website gut zu finden. Softgames konzentriert sich auf die Interaktivierung von Sendeformaten und Marken sowie mobile Lizenzen an Film- und Fernsehinhalte. Der Fluter kritisiert, dass jegliche gut gemeinten Versuche einer Interaktivierung dann doch auf individuell-interaktive Kinoerfahrungen hinaus laufen. Die Competence Site sieht gar das Web 3.0 im Rahmen der Interaktivierung dräuen. Ob Massenmedien überhaupt interaktiviert werden können, ist ja noch offen.

Siehe auch: Text Culture without Brains ? Unkontrollierte Interaktivierung ? Dangers and Opportunities !

11.12.2007

Report on dangers.... Google - "oder Kampf dem Großen Bruder ?"

Maurer warnt als Visionär vor den Gefahren großer Suchmaschinen (speziell Google), aber das Thema wurde von ihm auch in diversen Romanen und Kurzgeschichten verarbeitet. Aus dem Werbetext: "Schon heute sind Überwachungskameras weit verbreitet. So sehr sie für die Sicherheit notwendig sein mögen, so unangenehm ist es, beobachtet zu werden, überall und ohne Unterbrechung. Als im Jahr 2022 die Kameras fliegen lernen, scheint der letzte Rest von Privatsphäre zusammenzubrechen. Ist die Überwachung durch den "Großen Bruder" Wirklichkeit geworden? Noch mehr: Die "Drohnen" können auch militärisch eingesetzt werden, die Menschheit scheint ihnen und den wenigen, die sie kontrollieren, hilflos ausgeliefert. Aber das Team um Marcus schläft nicht. Gegenmaßnahmen laufen an, um die Welt vor einer gefährlichen bösen Macht zu schützen. Science Fiction? Ja! Nur sollten viele der vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen schon heute ernst genommen werden."

Siehe auch: Text Culture without Brains ? Unkontrollierte Interaktivierung ? Dangers and Opportunities !

Matthias Schindler kritisiert auch den "Patchworkcharakter" der Studie, eine mangelhafte "Beweisführung" und ergänzt die schon an anderer Stelle dargelegten Verflechtungen des Forschers mit Brockhaus sowie die Erfahrungen mit "Teil- und Total-Flops, an denen er mitgewirkt hat".

Maurer pflegt ein seltsames Weltbild.

Report on dangers.... Google - "text culture without brains ?"

In diesem Abschnitt verrennt sich das Autorenteam nun wirklich.

Die Argumentationskette:

1. Google macht immer mehr Bücher elektronisch verfügbar

2. Das führt dazu, dass immer mehr Texte nicht insgesamt (als Buch), sondern Abschnittsweise gelesen werden

3. Plagiate und "Assemblierung" von Texten nehmen zu

4. Die Produktion von Texten nimmt ab, weil keiner mehr die Zeit hat, hunderte Seiten zu lesen.

Siehe auch: Text Culture without Brains ? Unkontrollierte Interaktivierung ? Dangers and Opportunities !

Report on dangers.... Google - unkontrollierte Interaktivierung ?

H. Maurer, Tilo Balke, Frank Kappe, Narayanan Kulathuramaiyer, Stefan Weber und Bilal Zaka sammeln in ihrem "Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google" viele Argumente gegen eine unkontrollierte Interaktivierung der Gesellschaft durch privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen.

Ihr "Institut für Informationssysteme und Computer Medien" beschreibt den Kern der behandelten Themen mit "Interaktion zwischen Mensch und Computer ("human computer interaction", HCI) und die Visualisierung großer Informationsmengen". Sehr lange waren dies Themen von Großkonzernen und vor allem der wissenschaftlichen Szene, da beide jeweils den exklusiven Zugang zu den entsprechenden (Groß-) Rechnerkapazitäten hatten. Dies hat sich durch den technologischen Wandel stark verändert.

Nun sind die treibenden Kräfte nicht mehr Konzerne (als Anwender), Universitäten (als Produzenten) und Politik (als Geldgeber), sondern integrierte neue Unternehmen, die sich aus dem Werbemarkt refinanzieren, ihre eigenen Entwicklungsabteilungen unterhalten und sich im Rahmen der geltenden Gesetze "unkontrolliert" verhalten.

Dies gefällt Teilen des universitär-politischen Komplexes nicht besonders, verlieren sie doch Einfluss und vor allem Subventionen.

10.12.2007

Die Erben kommen (1995)

Die Erben, das sind 25,72 Millionen. Ihr Erbteil - geschätzt drei Billionen Mark - grob geschätzt. Vier von zehn "Erben" verfügen bereits über ihr Erbe.

Typisch für künftige Erben: qualifizierte Berufsabschlüsse

Wer bereits geerbt hat, kann sich meist auch sonst nicht über das bisher im Leben Erreichte beschweren. Auffallend viele Erben bauten auf einfachen Schulabschlüssen erfolgreiche Karrieren auf.

Die Erben - eine Konsumgemeinschaft

Konsumstil der Erben: exklusiv, anspruchsvoll, dabei kontrolliert. Gekauft werden bevorzugt Markenartikel in exklusiven Geschäften. Umgang mit dem Geld: "spontan". Künftige Erben: viel Lust am Einkaufen und Konsumieren. Qualität und Marken sind wichtig. Hohe Genußorientierung, geringere Kontrolle als bei den Erben.

Die Erben: zurückhaltend bei Mode und Accessoires

Hervorzuheben, die Vorliebe der Erben für Armbanduhren. Künftige Erben sind Spontankäufer von Mode, kaufen besonders gern in Boutiquen und Jeansläden ein.

Erben-Charakterformel: aktive, engagierte Persönlichkeiten

Beide Erbengruppen setzen unterschiedliche Schwerpunkte in der Lebensgestaltung. Wer bereits über ein Erbe verfügt, zeigt neben der positiven, pragmatischen Lebenshaltung Durchsetzungsvermögen, Verantwortungsbewußtsein und eine starke Beziehung zur Familie.

Erben schätzen die Vorzüge des "einfachen Lebens"

Die Erben haben bereits verschiedene Lebensziele erreicht und sind souverän genug, um auch die Vorzüge des "einfachen Lebens" zu schätzen. Die künftigen Erben teilen die positive, pragmatische Philosophie. Allerdings spielt bei ihnen - schließlich sind sie deutlich jünger - die Familie noch nicht die zentrale Rolle im Leben. Es dominieren berufliche Ziele.

Nicht-Erben: Resignativer Konsumverzicht

Alle diese Merkmale sind bei den Nicht-Erben deutlich geringer ausgeprägt. In dieser Hinsicht heben sich die Nicht-Erben auch von der Gesamtbevölkerung ab. Dafür bekennen sie sich deutlicher zu Werten wie Konsumverzicht, wenn auch dieses Bekenntnis stark resignative Züge trägt.

Erben sind starke Mediennutzer

Print und TV werden etwa gleichstark genutzt. Neben Impulse gehören Das Haus und Mein schöner Garten zu den beliebtesten Zeitschriftentiteln. Künftige Erben sind vor allem Zeitschriftenleser. Sie präferieren Lifestyle-Magazine wie Max und Elle. Spitzenreiter jedoch ist die Zeitschrift PC-Welt. Von den höherwertigen Frauenzeitschriften hat Elle die mit Abstand höchste Affinität zu den künftigen Erben.


Update 2008: Die oben beschriebene "Generation der Erben" hat inzwischen zum Großteil zumindest ein Teil des Erbes realisieren können. Die Affinität zu klassischen Medien für gehobene Unterhaltung und zum Internet für zielgerichtete Information und Kommunikation ist ausgesprochen hoch, ohne dass es sich um wirklich crossmediale Nutzung handelt. Eher werden die jeweiligen Medien in der jeweils passenden Situation eingesetzt, ohne dass sie sich in den Vordergrund drängen. Die Generation der Erben ist damit 2008 der wichtigste Faktor in einer massenhaft individualisierten Kommunikation.

Renaissance des Rauchens? (1995)

1995:

"Wende im Psychokrieg um den blauen Dunst: Das Rauchen erleidet einen dramatischen Imageverlust." Die Freunde der Zigarette, so registrierte Focus (Nr. 8/1995), seien zu einer "vernachlässigbaren Größe" geworden.

In einer von dem Magazin in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage sprachen sich selbst Raucher für scharfe Maßnahmen gegen den Zigarettenkonsum aus. Eine Mehrheit unter ihnen plädierte gar für ein absolutes Rauchverbot in Zügen, Flugzeugen und öffentlichen Gebäuden. 44 Prozent aller Raucher befürworten sogar völlige Abstinenz am Arbeitsplatz; 87 Prozent haben Verständnis für Nichtraucher, die sich belästigt fühlen; nur 17 Prozent aller Raucher halten Nichtraucher für "verklemmt und humorlos".

Das Laster der Problembeladenen

Der blaue Dunst wandelt sich zu einem Erkennungszeichen der Unterschicht, der Problembeladenen und Erfolglosen. Rufbewußte Politiker vermeiden es mittlerweile, vor Publikum zu rauchen. So paßt ins Bild, daß Proletarier häufiger paffen als die mit dem weißen Kragen.

Neuer Schamstandard verbietet Rauchbelästigung

Verantwortlich für den Niedergang des Rauchens sei ein geschichtlicher Prozeß, glaubt der Soziologe und Ökonom Hagen Kühn. Ein neuer Schamstandard verbiete die Belästigung durch blauen Dunst. Der Zigarette droht ein Schmuddel-Stigma wie einst dem Schnupf- und Kautabak.

Kommt eine Renaissance des Rauchens und der Genüsse?

Auch das ist möglich. Denn hinter der Anti-Raucher-Manie ist bereits die zarte Morgenröte einer Genußrenaissance zu erkennen. Dies belegt eine Umfrage vonTime/CNN (Yankelovich Partners). Lediglich 47 Prozent der amerikanischen Nichtraucher würden dafür plädieren, das Rauchen in Restaurants zu verbieten. Ein Rauchverbot in Büros fände nur unter 44 Prozent aller Nichtraucher Zustimmung. Die Toleranz gegenüber dem Rauchen (und den Rauchern) ist überraschend groß: Nur 31 Prozent aller Nichtraucher würden dem Statement zustimmen, daß die amerikanische Gesellschaft alles tun sollte, um das Rauchen auszumerzen.

Vorbeben einer neuen Genußwelle?

Uwe Wolff in Focus (Nr.34/1994): "Man ißt, trinkt und raucht, als gäbe es kein morgen mehr." Good bye Gesundheitstrip: die Amerikaner mögen's wieder deftig. Die Rezession schuf "Indulgence", ein Kunstwort für einen Trend, nämlich die Verbindung von "Genuß" und 'Wohlleben'. Trendforscher in den USA sprechen von "Pleasure Revenge", der Rache des Vergnügens." Plötzlich verzeichnen die laut Wolff schwergebeutelten Tabakfirmen wieder Umsatzzuwächse.


Update 2008:

Die Ende 2007 und Anfang 2008 auch in Deutschland eingeführten Rauchverbote kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich nahezu 15 Jahre "Durchhalten" bzw. Rezession in einen dynamischen Durchbruch nach Vorne umkehren. Innerhalb weniger Jahre sind die nach RISC bzw. ACE fortschrittlichsten europäischen Länder voran gegangen und haben Länder, die vom Wiederstand gegen Wandel geprägt sind (Deutschland und Schweiz), hinter sich her gezogen. Die Argumente waren jedoch unterschiedlich: in der Schweiz galt es vor allem, nicht hinter das europäische Umfeld zurückzufallen, in Deutschland wurden vermehrt moralisch-ethische Argumente forciert.

Weitere Artikel aus dem Focus Archiv zum Thema Rauchen:

Rauchen im Job verbieten ?
Rauchen ist ansteckend
Ohne Kippe aus der Klinik
Rauchen verboten
Rauchen gegen Drogen
Rauchen mit Steuervorteil
Flutschen statt rauchen
Saufen, rauchen, Hasen
Spritzen gegen Sucht
Tabaksteuer Zeitplan

Auf dem Weg zur Fun-Society (1995)

1995:

Die Spuren künftiger Trends suchte Michael Koschate, Chef von Psyfact, Institut Angewandte Psychologie für kreatives Marketing, in Gesprächen mit deutschen Professoren diverser Disziplinen. Was Koschate fand, nennt er eine "interdisziplinäre Materialsammlung".

Individualisierung und Konservativismus

Die Wurzeln des Trends zur Individualisierung liegen in der Anhebung des Bildungsniveaus. Damit veränderte sich die Sozialstruktur. Verstärkend auf diesen Trend die Auflösung der Normal-Arbeitsverhältnisse und die fortschreitende Emanzipationsbewegung. Zentraler Punkt innerhalb des Wertespektrums ist die Selbstverwirklichung mit Satisfaction-Garantie. "Satisfaction" ist das Schlüsselwort der Fun-Society.

Individualisierung und Überforderung

Individualisierung heißt auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Viele fühlen sich von der Individualisierung überfordert, fallen zurück auf traditionelle Wertestrukturen. Typisch dafür ist die Neigung zu nostalgischem Eskapismus: Die Angst vor der Zukunft läßt den Flüchtenden die Vergangenheit angenehmer erscheinen als die Gegenwart.

Konjunktur für Konservativismen

Zwischen Erlebnisverwirklichung und der Suche nach Sicherheit haben auch konservative Werthaltungen und Verhaltensweisen Konjunktur. Diese Neigung wird sich langfristig noch verstärken. Die Ursache: Eine hochkomplexe Welt weckt Wünsche nach einfacherem Leben. Konservative Wertvorstellungen liegen im Trend und werden sich auf breiter Front durchsetzen. In sie eingebettet sind Sekundärtugenden wie Treue, Zuverlässigkeit, Bescheidenheit.

Mehr Mobilität und wechselnde Partnerschaften

Mobilität ist ein weiteres Schlüsselwort! Es geht um die verschiedenen Ausdrucksformen der Mobilität, die physische, wie Reisen und kommunikative Mobilität: mehr Kontakt. Man will sich ausleben, sich selbst kommunikativ darstellen, sich durch Kommunikation narzißtisch genießen. Beziehungen werden zu Teilzeitgemeinschaften, abhängig von wechselnden Interessen. Ein weiterer Schlüsselbegriff: Cyberspace, die audiovisuell-taktile Onanierapparatur mit programmierbarem Wunschpartner.

Lebensabschnitts-Partner statt Lebens-Partner

Entscheidungen für Partnerschaften vollziehen sich zunehmend auf rationaler Ebene. Die derzeitige Werteerosion - neues Freizeitverhalten, Hedonismus - ist stark egoistisch akzentuiert, stellt Partnerschaftsbindungen auf Dauer in frage. Gut möglich, daß der Lebensabschnitts-Partner an die Stelle des Lebenspartners tritt ist doch die Bereitschaft zur Partner-Mobilität zunehmend groß. Dies wird sich auch im Konsumbereich auswirken: bei den Wohn-Wünschen, bei der Gestaltung von Treffs wie Gaststätten, Kneipen, Restaurants.

Treue erlebt ein Comeback

Hinter der Renaissance der Treue steht die Erfahrung, daß die gepriesene sexuelle Liberalität der siebziger und achtziger Jahre nicht das hielt, was sich viele von ihr versprachen. Der Treuebegriff der Zukunft verbindet sich mit der zunehmenden Neigung, verlorene Ordnungen zurückzugewinnen.

Ehe und Familie

Nicht auszuschließen, daß es auch zu einer stärkeren Familienzentri